Es waren letztens Kreistagswahlen in Aschaffenburg (hochinteressant, übrigens, es gibt eine zweite, modernere Website unter der Subdomain wwt., was das wohl für einen Grund hat?), wobei eine Mitschülerin, Constanze Roth
für die Grünen kandidierte. Auf Listenplatz 3 — wie sie selbst sagt, weil sie jung und weiblich ist (in der gleichen Rede kritisierte sie auch eben diesen Umstand, aber war dann offensichtlich doch nicht allzu abgeneigt)
Jetzt allerdings fühlt die ehemalige Sprecherin des bayerischen Landesverbandes sich in der grünen Jugend nicht mehr gut aufgehoben
, da diese in letzter Zeit sehr weit nach links gerutscht
sei, was nicht ihrer politischen Vorstellung
entspräche. Folglich hat sie getan, was ihr Herz ihr diktierte, trat aus der Grünen Jugend aus und den Jungen Liberalen bei (mit den Mutterparteien hat sie nichts zu tun, die Jugendorganisationen sind, wie man wissen muss, vollkommen unabhängig)
Das wäre nicht weiter schlimm, wenn es irgendwie vorher abzusehen wäre. Und wenn sie es nicht sofort nach ihrer Wahl zur Kreisrätin getan hätte, was offensichtlich Betrug am Wähler
(Käthe Lieder, Kreisvorstand) ist: Constanze wurde mit 8621 Stimmen auf dem 6. Platz in den Kreistag gewählt, in der Annahme, dass sie dort die Grünen vertrete, die zuvor 6 Sitze hatten. Würde man die Listenkandidaten, die nicht in den Kreistag einzogen von der Liste streichen und die Stimmen, relativ zu den Direktstimmen auf die Abgeordneten umrechnen entspräche das immerhin 60903 Stimmen oder 14% der grünen Stimmen. Die werden nun also zur FDP transferiert, die statt 3 dann 4 Sitze ihr Eigen nennt. Sie bekam signifikant mehr Direktstimmen als ihre neuen Kollegen und auch nach Effektivstimmen wäre sie noch die Zweitmächtigste in der Fraktion:
| Name |
Stimmen |
Effektiv |
| Dr. Rolf Ringert |
6203 |
85860 |
| Constanze Roth |
8621 |
60903 |
| Dr. Helmut Kaltenhauser |
4084 |
57176 |
| Dr. Thomas Domanig |
3720 |
52248 |
In der Ansammlung von Individualisten
heißt man sie auch gleich ganz herzlich willkommen, immerhin bringt sie ein Plus von 31,2% mit (auf Kosten von -14,2% für die Grünen), ohne dass irgendein Wähler etwas dazu geäußert hätte! (Nach Sitzen fallen die Grünen dabei von 8,6% auf 7,1%; die FDP steigt von 4,3% auf 5,7%)
Und das beste an dieser Art des Wahlbetrugs ist: Alles ist absolut legal! Weshalb also noch in Nedap investieren?
Stellt sich natürlich noch die Sinnfrage: Hää? Wieso?
, auf die die einfache Antwort lautet: Schaut mal die restlichen Kandidaten der FDP an — hätte sie jemals eine Chance gehabt, wäre sie direkt auf der FDP-Liste angetreten? Neben Kandidaten wie Frau Nadine Gries, dem Internationale[n] Betriebswirt
? Dann doch lieber erstmal noch vom Quotenbonus profitieren…
Ergebnis und Sitzverteilung; Julia Seeliger zum Thema
Aha, die JuLis haben auch etwas gesagt:
Vergangene Woche verkündete Constanze Roth, bisher Kreisrätin [...] dass sie die Grünen verlassen hat [...]
Das bisher
hört sich an, als sei sie schon zuvor Kreisrätin gewesen und nicht noch vor der ersten Sitzung übergetreten.
[...] Ihre vielen persönlichen Stimmen auf der Liste der Grünen, steht einer Rückgabe des errungenen Mandats entgegen. Roth sieht die Mitgliedschaft bei den JuLis und der FDP-Kreistagsfraktion als optimale Voraussetzung ihr Mandat im Kreistag auszuführen.
Lobenswert ist natürlich die liberale Einstellung der FDP in sämtlichen Lebensbereichen, als praktisches Beispiel hier die Grammatik schon zum zweiten Mal. Zweifelhaft hingegen ist, ob sie wirklich genügend Direktstimmen bekam, um einen Wechsel mit ihrer Beliebtheit als Person (nicht als generische Grüne Abgeordnete) zu begründen. Die Auszählung zeigt, dass sie nur ca. 2500 Stimmen über dem Durchschnitt der Grünen Liste lag und zudem noch vom 3. auf den 6. Platz gefallen ist — ein Indiz dagegen, finde ich.